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Der Zug ist losgefahren. Warum Agilität jetzt wichtig ist

07.07.2017 • Holger Nauheimer

Wenn Sie die Diskussionen in der Businesswelt verfolgen, werden Sie nicht umhin können, eine Reihe von Buzzwörtern wahrzunehmen, die wir noch vor wenigen Jahren nicht benutzt haben. Die Digitale Transformation ist sicherlich eines davon. Und es ist vermutlich eines der verwaschensten Schlagworte. Wenn man sich jedoch den Trend der Google-Suchanfragen der letzten Jahre anschaut, sieht man, dass diese Wortkombination vor fünf Jahren praktisch noch nicht existiert und dann vor zwei Jahren plötzlich Fahrt aufgenommen hat.

Ob Sie den Begrif mögen oder nicht, er wird uns sicherlich eine Weile beschäftigen und einen starken Einfluss darauf haben, wie wir über Organisationsentwicklung und alle verwandten Begriffe wie Führung, Recruitment, Talentmanagement, Learning & Development, Performance Management etc. denken.

Die zentrale Herausforderung von Organisationen ist es heute, die zunehmende Geschwindigkeit des Wandels in den Griff zu bekommen. Als Experten des Change Managements sind wir in einer Welt groß geworden, in denen es uns möglich war, Veränderungsprozess über eine längere Zeit hinweg zu planen und zu implementiern. Natürlich! Haben wir nicht von Kurt Lewin gelernt, dass Organisationen einem Zyklus von AUFTAUEN, BEWEGEN und EINFRIEREN folgen? Haben wir nicht die vielen, häufig gegensätzlichen Change Initiativen gesehen, die von unterschiedlichen Sponsoren top down in das Business gedrückt wurden, unter den verzweifelten Schreien der armen Angestellten und ihrer Türwächter im mittleren Management? Ist es nicht an der Zeit, inne zu halten und darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist, und aus dieser Erkenntnis heraus mit Würde und einem langen Blick die Antwort zu vernehmen, die aus dieser Suche nach Purpose erscheint?

Ja und nein.

Hier ist mein bescheidener Beitrag dazu, was jetzt ansteht:

  • Es gibt einen fundamentalen Wandel in der Art, wie wir  Führung und Management wahrnehmen und wir werden nicht mehr zurück zum alten Denken gehen. Halten Sie von Frederic Laloux' Konzept des Reinventing Organisations was Sie wollen, aber die Zeiten, in denen Führung per Ansage funktioniert, werden sehr schnell zu ihrem Ende kommen.
  • Unternehmen können sich nicht mehr auf ihre ausgefeilten Administrations- und Managementprozesse verlassen. Die Zeit hierfür ist nicht mehr gegeben. Für mich war es wie ein Moment der Erleuchtung, als ich die Geschichte von Céline Schillinger, Head, Quality Innovation & Engagement bei Sanofi Pasteur hörte. Ihr Ziel was es, eine globale Community ins Leben zu rufen, die sich dem Thema des Dengue Fiebers annimmt. Wenn sie den Regeln gefolgt wäre, hätte es sie viele Monate, aufreibende Gremienarbeit und das Einholen einer ganzen Reihe von Unterschriften gekostet. Stattdessen entschied sie sich dazu, nicht auf die Regeln zu achten und einfach loszulegen – in einer seltenen Form von Selbstermächtigung. Ihr Erfolg hat ihr nachträglich recht gegeben.
  • Die Disruption von erfolgreichen Businessmodellen passiert vor unseren Augen. Wir wissen alle, das sich die Geschäftswelt in den letzten zehn bis zwanzig Jahren dramatisch verändert hat. Die traditionellen Businessmodelle werden von zwei Seiten her in Frage gestellt: auf der einen Seite von Start-Ups, die in alle Industriebereiche eindringen. Auf der anderen Seite von den großen Digitalkonzernen wie Google, Amazon, Apple etc., die sich in aller erdenlichen Richtungen diversifizieren. Das ist ein schneller und schmutziger Prozess mit großen Risiken für alle, die die Augen vor dieser Entwicklung verschließen.
  • Purpose – grundlegende Ziele – sind tatsächlich von großer Bedeutung. Wenn nicht alle Angestellten mit der Sinnfrage verbunden werden – warum tun wir, was wir tun – kann keine grundlegende Veränderung passieren. Dieser Verbindungsprozess ("deep alignment") ist eine Voraussetzung für den Wandel und die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.
  • Ein möglicher Startpunkt für diese große Transformation kann die Erhöhung der Agilität von Teams sein. Es gibt eine ganze Menge von Dingen, die sich verändern müssen und die sich auch verändern werden. Es passiert ja ständig und die Medien sind voll davon: Organisationsstrukturen, Governancemodelle, Einführung neuer Technologien, ein neuer Mindset, etc. machen sich überall breit. Aber manche dieser Veränderungen werden nicht über Nacht in der Breite umgesetzt werden. Ein Beginn kann für viele Organisationen jedoch die größere Zuschreibung von individuellen Verantwortlichkeiten und Entscheidungsgewalt sein. Es geht um die Schnelligkeit der Innovation. Der agile Werkzeugkasten ist prall gefüllt und viele dieser Werkzeuge sind erprobt. Sie können auf Team- oder Abteilungsebene eingeführt werden und damit nimmt die Transformation Fahrt auf.

In vielen Organisation wird dieser Prozess eher bottom up als top down erfolgen. Lokale Intiativen, die klein starten, werden das gesamte System beeinflussen. Es braucht jedoch mutige Führungskräfte, die bei sich selbst anfangen und sich selbst transformieren. Der Zug ist losgefahren.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Führungskräfte den Weg für agile Teamarbeit frei machen können, laden wir Sie herzlich zu unserem Seminar zum Agilen Leadership ein.

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